Dienstag, 26. Mai 2009
Fight Club hilft (nicht)
Ihr werdet vielleicht als Schüler sterben, oder als Priester oder als Verkäufer von Musikinstrumenten, oder als Rentner, aber ihr werdet sterben.
Ich selbst werde als Schriftsteller sterben. Das ist einerseits tröstlich, schließlich stand das 'Schriftstellerwerden' ganz oben auf meiner Liste der zu erledigenden Dinge, aber andererseits lohnt es sich fast nicht mehr auf diese Liste zu schauen, denn es sind inzwischen mehr Dinge darauf durchgestrichen als offen.
Und ich schaffe es nicht, eine neue Liste anzufangen. Weil der Mensch, der ich nunmal bin nur eine List hat. Eine neue Liste zu beginnen würde bedeuten ein anderer Mensch zu werden - eine Bastelarbeit, die ich mir nicht nochmal antun will.
Einfacher wäre es auf eine Persona / Larve / einen Avatar zu setzen, vielleicht auch auf einen imaginären Freund, aber wozu? Es ist immer noch Aufwand, der sich nicht lohnt.
Beziehungsweise: Es würde sich lohnen, wenn ich genug darin investieren würde.
Wahrscheinlich ist es einfach nur der Schwebezustand zwischen den Büchern. Memphisto Band 2 ist ganz gut angekommen. Bei den Lesern und bei den Kritikern.
Es hat mich ehrlich gesagt ein wenig überrascht, wie gut. Lob macht mich natürlich stolz, aber auch misstrauisch. Und bringt mich in die Lage, das nächste Mal mindestens genauso gut sein zu wollen.
Wobei wir auch schon bei Memphisto Band 3 sind. Ich bin gerade damit fertig geworden, ihn zu verbessern (na, jemand Lust, den Testleser zu spielen und mich darauf hinzuweisen, dass ich 'kahm' immer noch wie 'nahm' schreibe?) und ohne mich loben zu wollen, finde ich ihn besser, als ich anfangs gefürchtet hatte. Vielleicht sogar besser als "Alice on Speed"
Die Protagonisten sind größtenteils andere, aber es gibt ein Wiedersehen mit Davidson - und natürlich mit Memphisto.
Und bevor der letzte Punkt zu einem toten Punkt werden konnte, habe ich mich an Memphisto Band 4 gemacht. Aufmerksame Leser werden vielleicht noch wissen, dass ich die Kern-Trilogie in der Pentalogie schon seit einiger Zeit fertig habe und 'nur' noch überarbeiten muss. Für Band 1 und 5 ballen sich zumindest schon wie dunkle Wolken Ideen in meinem Kopf zusammen. Oh ja, das wird richtig gut ...
Ich werde also sterben. Aber vorher bleibt noch genügend Zeit ein paar gute Bücher zu schreiben.
Montag, 16. Februar 2009
Kinder, wie die Zeit vergeht!
Zunächst mal am 09.03.2009 in München bei speak and spin.
Und dann gleich zwei Mal auf der Buchmesse in Leipzig.
Und zwar am Sonntag, den 15.03.2009.
Einmal von 14.30 - 15.00 Uhr und
einmal von 17.00 - 17.30 Uhr.
Und dann natürlich noch die MSK-interne Lesung und die eine oder andere Privatlesung...
Nicht dass ich mir jetzt wichtig vorkomme, aber... doch ich komm mir irgendwie doch wichtig vor. So kann's jetzt meinetwegen weitergehen...
Freitag, 16. Januar 2009
Kindergarten und Baumschule
"Abgemacht?"
"Abgemacht."
Ein Handschlag noch und dann zogen Kinderschule und Baumgarten wieder ihrer Wege.
Freitag, 2. Januar 2009
Alle meine Romane
In dem Ordner hatte ich meine fünf großen Manuskripte, die ich an Verlage bringen wollte. Mittlerweile hat sich die Zahl verdoppelt, aber korrekterweise müsste ich den Ordner heute „the big 18“ nennen, wenn ich alles mitzähle, was ich in Planung habe.
Grünes Licht: fertig!
Die Memphisto-Pentalogie 2: Alice on Speed – ein Verschwöhrungstheorie-Musik-Psycho-Nazi-Thriller.
Kam im Februar 2009 bei King of Fools raus.
Die Andere Geschichte – eine Fortsetzung der Unendlichen Geschichte von A bis Z. Frei nach dem Satz „Das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.“
Mit vielen alten Bekannten und einem Mann, der seinen Bruder aus Phantasien retten will.
Kommt überhaupt nie raus, oder wenn, dann erst wenn das Copyright für die Figuren aus der Unendlichen Geschichte abgelaufen ist.
Mosaik – klassische Fantasy mit Orks, edlen Rittern, Drachen und Zeitreisen. Muss noch ein wenig überarbeitet werden, aber ansonsten eigentlich fertig. Hat aber keine Priorität bei mir.
Aus einem Traum – Autobiografie der Jugend. Ich bringe es nicht über mich das Manuskript noch mal zu lesen, also wird es wahrscheinlich so schnell auch nicht veröffentlicht werden.
Krieg dem Stahldämonen – post-apokalyptische High-Fantasy. Inklusive Kampf eines Dämons gegen einen Panzer.
Soweit fertig, könnte aber noch professionellen Feinschliff vertragen.
Die Narbe – Fantasy auf mehreren Ebenen. Auf einer fast klassischen Fantasy-Handlung bauen die Erzählungen eines Fabelwesens in unserer Welt und eines Mädchens aus unserer Welt im Fantasy-Reich auf. Das Fundament ist so weit fertig, an den zusätzlichen Dimensionen muss ich noch schreiben. So komm ich auf 18, falls ihr mitzählt.
Wenn Menschen Märchen sein werden – frei nach dem Satz „Wenn Menschen Märchen sein werden, geschrieben in Büchern von Kaninchen“ aus „Das letzte Einhorn“ von Peter S. Beagle. Post-apokalyptische Fantasy mit Kaninchen (und einem Menschen) in den Hauptrollen.
Gelbes Licht: noch eine Menge Arbeit
Tolom – mein erster Fantasy-Roman um eine Welt in der nur die Bergspitzen bewohnbar sind. Ich habe lange keinen Blick mehr hineingeworfen, aber eigentlich ist das Buch fertig geschrieben.
Die Memphisto-Pentalogie 3: Personenschaden – andere Personen, andere Bedrohung, aber der gleiche Verschwöhrungstheorie-Mystik-Action-Thriler-Spaß. Fertig geschrieben, harrt der Überarbeitung.
Die Memphisto-Pentalogie 4: Das Immunsystem – die Plots und (überlebenden) Figuren aus dem zweiten und dritten Buch kommen zusammen, um ihrem gemeinsamen Gegner entgegenzutreten. Hört sich an wie eine lustige Sache. Fertig geschrieben, aber noch nicht überarbeitet.
Rotes Licht: Are you kidding?
Die Memphisto-Pentalogie 1: ? – Irgendwie muss die Sache mit Memphisto ja angefangen haben. Wie, das weiß ich allerdings noch nicht. Ich weiß allerdings, dass der Geheime Rat Goethe eine Rolle spielen wird.
Die Memphisto-Pentalogie 5: ? Das Ende ist nicht das Ende. Aber über das was danach kommt, habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Echt nicht.
Die Hürnin – Erich wacht eines Morgens auf und stellt fest, dass er das ganze Dorf umgebracht hat. Böser Junge. Aber als Hürnin, mit eingenem Dämonen macht man so was halt.
Ich hab das erste Kapitel und ein paar Ideen, wie es weitergehen könnte, mehr noch nicht.
Lesen kann man das hier und eine Hörprobe gibt es auch
Eine Geschichte von den Toten – man kann nicht immer gewinnen. Und was machen die Fantasyhelden, die den Löffel abgeben? Na klar, sie erzählen eine Geschichte. Ich hab ein paar Ideen und ein paar Seiten Text aber mehr noch nicht.
Talhoffer – Mal was Historisches. Über unsere Fechtmeister weiß man so wenig, dass es sich lohnen würde, ihnen mal eine Geschichte anzudichten. Ich bin im Ideen-sammel-Stadium.
Die Seehexe – ein notgebremster Fantasy-Roman, bei dem mir nach einem Viertel des Weges oder so die Ideen ausgegangen sind. Wenn die Ideen wieder kommen, schreib ich witer.
Freitag, 31. Oktober 2008
Spiegelfragmente [Im Garten]
für M. U. & L. P. alias J. W.
Manchmal, wenn die Sonne richtig steht und du just zu diesem Zeitpunkt an einem bestimmten Ort stehst und in eine bestimmte Richtung schaust, wenn du nicht blinzelst, oder Tränen deine Sicht trüben, und du in der Ferne etwas glitzern siehst, dann gehörst du vielleicht zu den Wenigen, die eines der Spiegelfragmente im Garten finden werden. So leicht es mir auch fällt Elfen und Nashörner, Pumas und Hühner zu begreifen, so schwer fällt mir das bei den Spiegelfragmenten. Ich kenne zwei und halte mich deswegen für privilegiert unter den Geschöpfen des Gartens.
Als ich das erste mal eines der Spiegelfragmente sah, hielt ich es für eine dunkle Elfe und als ich das zweite Spiegelfragment sah, hielt es sich selbst für eine dunkle Elfe. Aber beide Spiegelfragmente trugen das Bild der Dunkelelfe nur auf ihrer Oberfläche. Was sind Spiegelfragmente, wenn sie glauben machen können sie wären etwas anderes? Eben das: Spiegel und Fragmente. Wenn du dich vor eines der Spiegelfragmente stellst und versuchst hinein zu sehen, dann siehst du je nach Neigung des Spiegelfragments dich selbst oder nur ein weiteres Wesen des Gartens. Nur ein Spiegelfragment kann in einem Spiegelfragment ein Spiegelfragment sehen, aber auch nur dann, wenn es das andere zuläßt. Versuchst du ein Spiegelfragment festzuhalten, dann wird es entweder zerbrechen, oder deine Hände zerschneiden, wahrscheinlich auch beides. Versuchst du ein Spiegelfragment wieder ganz zu machen, dann wirst du feststellen, dass du es nicht kannst, dass du nie gelernt hast den fehlenden Teil eines Atoms zu ersetzen.
Spiegelfragmente haben Risse und Sprünge. Auf Dauer können sie nie ein einheitliches Bild aufrecht erhalten und sie wissen selbst nicht, ob sie einen ihrer zahlreichen Facetten als „ich“ bezeichnen dürfen.
Vielleicht bin ich selbst eines dieser Spiegelfragmente. Das würde zumindest erklären, wie ich es geschafft habe zwei dieser seltenen Wesen zu finden - und wieder zu verlieren.
Was zeigt ein Spiegel, der in einen Spiegel blickt? Die Unendlichkeit. In der Unendlichkeit verliert man sich eben. Aber ist es nicht auch so, dass sich Parallelen in der Unendlichkeit treffen?
Und letzten Endes habe ich die Spiegelfragmente vielleicht doch nicht verloren. Vielleicht habe ich sie mir nur einverleibt, bin ein größeres Spiegelfragment geworden und suche weiter, bis ich wieder ganz bin? Nein, das ist nur eine Utopie.
Spiegelfragmente wollen gefunden werden. Nicht von jedem, aber sie wollen gefunden werden. Aber ich glaube wenn man sie erst einmal gefunden hat, dann wollen sie nicht gefunden bleiben.
Freitag, 24. Oktober 2008
Der Delphin [Im Garten]
für M. O.
Wir alle glauben die Delphine ja so gut zu kennen. Sie reiten an sonnigen Tagen auf den Bugwellen von Schiffen - und verfangen sich in den Treibnetzen der Fischer, sie springen fröhlich keckernd durch bunte Reifen - und ihre Seele stirbt im tosenden Applaus der Menge, sie retten Schiffbrüchigen das Leben - und sind doch selber schiffbrüchig geworden auf diesem Planeten.
Kaum jemand scheint auf die Idee zu kommen, dass es da im Leben der Delphine mehr gibt, als kindliche Freude und menschengemachtes Leid. Denn an manchen Tagen ist das Meer zornig, von Stürmen gepeitscht und von Blitzen aufgeladen, seltsame Strömungen tragen Kreaturen aus den lichtlosen Tiefen herauf, welche weder die Gesetze der Schwerkraft noch den Zwang zu atmen kennen.
Manche Nächte sind sternenlos, dunkel, und im Glimmen des Planktons wird oben und unten ununterscheidbar.
Delphine leben schon so lange auf diesem Planeten und sie kennen sowohl das Wasser als auch das Land aus eigener Erfahrung. Dennoch kommen sie ohne Panzer aus, wie Krokodile oder Schildkröten ihn tragen. Was haben sie wohl in all der Zeit gelernt, in Tiefen, die nie vom Licht gestört wurden und in denen ein Fallen nicht möglich ist?
Und dieser Delphin über den ich jetzt hier schreibe? Ich glaube nicht, dass er je vor den vielarmigen Kreaturen der Tiefe fliehen musste, oder im Sturm von seiner Familie getrennt wurde, aber was kann ich schon darüber sagen, unfähig den Lebensraum des Delphins auch nur 2 Minuten lang zu teilen?
Dennoch glaube ich etwas über den Delphin sagen zu können - so wie über alle Wesen des Gartens.
Ich denke man kann ihn oft dort finden, wo die Ruinen alter Tempel stehen und wo man mit etwas Geduld das Raunen einstiger Pilger vernimmt. Dort fliegt der Delphin durch das Gewirr der eingesunkenen Säulen, neckt Muränen, spielt mit Seesternen, oder betrachtet eine Weile wissend ein in Stein gehauenes Antlitz, denn alles lohnt der Aufmerksamkeit.
Der Delphin reist bedächtig und er hat wenig Verständnis für die stampfende Hektik der Boote, welche die Wogen durchpflügen, aber er denkt auch nicht viel darüber nach, denn er hat ein Gespür dafür ihnen aus dem Weg zu gehen.
Er ist weit herumgekommen in den Meeren dieser Welt und alles was er (noch) nicht sehen konnte lässt er sich vom unablässigen Strömen der Ozeane zutragen. Doch ist er je über die Grenze hinabgetaucht, wo das letzte Licht umkehrt? Ich glaube nicht und ich frage mich, wie lange es wohl her sein mag, dass ein Delphin diese Reise wagte.
Ich beneide den Delphin ein wenig. Ich beneide ihn um die dritte Dimension des Denkens, die uns platten Landbewohnern fehlt, ich beneide ihn um die geschmeidigen, kraftvollen Bewegungen und vor allem beneide ich ihn um all die anderen Delphine mit denen er so selbstverständlich die salzigen Fluten teilt.
Ich weiß nicht wie ich den Delphin gefunden habe, oder er mich, oder wie ich ans Meer gelangte, aber ich weiß, dass ich mich in seiner Nähe wohl fühle.
Wahrscheinlich bin auch ich jedermanns Vorstellung von Delphinen verfallen.
Freitag, 17. Oktober 2008
Der Puma [Im Garten]
für M. E.
Man kann den Puma an Orten finden die man leicht sehen kann, die man allerdings ohne die Stärke des Pumas nie erreichen wird. Steile, vom Mond erleuchtete Klippen, schattige Schluchten oder die endlose Weite der Wüste, das alles sind die Orte des Pumas, die ohne ihn ihren Wert verlieren würden. Dort kann der Puma stundenlang unbeweglich dastehen und nachdenken. Dort kann er die Musik hören, die ihn noch weiter fort bringt, als ihn selbst seine starken Beine tragen könnten. Dort erkennt er was zu tun und zu unterlassen ist. Ob er seinen Erkenntnissen jedes Mal folgt, darüber kann ich nichts sagen, aber was sollte ihn daran hindern? Manchmal hält er sich bei Maulwürfen, Elfen und anderen Tieren auf, die er nur zu leicht versehentlich zertreten könnte, aber man hat nie Angst um die zerbrechlichen Geschöpfe. Andererseits wartet man auch vergebens darauf, dass er endlich mal ein paar der Hühner mit seinem… Gebiss zum Schweigen bringt. Überhaupt, warum muss ich nur immer an Hühner denken, wenn ich den Puma sehe?